Schachenschloss

Königliche Zuflucht mit Orientflair

von Susanne Nebl

Im Wettersteingebirge hoch über dem Loisachtal und Garmisch-Partenkirchen thront das „Schachenschloss“ – das wohl spektakulärste Berghaus Ludwigs II. Einzigartig, nicht nur wegen seiner Lage, sondern auch wegen seiner Bauart als Schweizer Chalet. Der Maurische Saal im Obergeschoss des Königshauses versetzt die Besucher in Erstaunen…

Das am höchsten gelegene „Schloss“ König Ludwigs II. steht in 1866 m Höhe mitten im Wettersteingebirge. Zur gesamten Anlage, die Ludwig hier erbauen ließ, gehören außerdem die Schachenhäuser, die den Dienern als Unterkunft dienten, und ein nahe gelegener Aussichtspavillon mit spektakulärer Aussicht.

Schachenhäuser und Schachenschloss vor Zugspitzplatt (Foto: H.K.)

Schachenhäuser und Schachenschloss vor Zugspitzplatt (Foto: H.K.)

Erbaut im Schweizerstil, besteht das Untergeschoss des „Schlosses“ aus einem einfachen Speisesaal, einem Arbeitszimmer und dem Wohnzimmer. Das Obergeschoss war ganz nach der Phantasie des Königs eingerichtet: Der „Maurische Saal“ entsprach seiner Schwärmerei für den Orient. Der König und selbst die Diener trugen türkische Tracht und saßen Tabak rauchend und Mokka schlürfend auf Sitzkissen, um die Illusion für den König perfekt zu machen: Buntverglaste Fenster färben das Licht im Saal blau-violett. In der Mitte ein Springbrunnen, mit damals neuester Technik betrieben. An den Wänden prunkvolle Leuchter, in Vasen riesige Straußenfedern; elfenbeinerne Tische mit Räucherpfannen, die den Duft des Fernen Ostens verbreiten und ein künstlicher Sternenhimmel zum Träumen…

Königshaus am Schachen (1866 m) (Foto: H.K.)

Königshaus am Schachen (1866 m) (Foto: H.K.)

Als das Schachenschloss 1872 fertig gestellt war, konnte Ludwig es zu seinem 27. Geburtstag zum ersten Mal beziehen. Er verbrachte viel Zeit am Schachen, insgesamt neun seiner Geburtstage. Wie in jeder seiner Bergresidenzen wollte er hier – fernab von politischen Verpflichtungen und Menschenmengen – die unberührte Natur genießen. Vom nahen Aussichtspavillion bot sich ihm ein atemberaubender Ausblick auf Reintal, Zugspitzplatt, Alpspitze und Hochblassen. Nach Norden hin sah der König auf Partenkirchen und weit ins Alpenvorland hinein.

Blick vom Schachen-Pavillon auf Hochblassen und Alpspitze (Foto: H.K.)

Blick vom Schachen-Pavillon auf Hochblassen und Alpspitze (Foto: H.K.)

Was für den König Erholung von seinen Verpflichtungen war, war für die Dienerschaft ein Kraftakt: Schon Tage vor der Ankunft des Königs wurden Speisen und Getränke auf den Schachen getragen. Der zweirädrige Bergwagen des Königs wurde vorgefahren und der beschwerliche Weg hinauf zum Schloss mit Lichtern ausstaffiert, um den Weg zu beleuchten und den König willkommen zu heißen. Rund 20 Diener standen dem König im Schachenschloss zur Verfügung.

Das Königshaus am Schachen um 1890 - AK gel 1890 (Sammlung HK)

Das Königshaus am Schachen um 1890 – AK gel 1890 (Sammlung HK)

Das Schachenschloss heute. Anders als zu Königs Zeiten, kann heute jedermann das Schachenschloss von innen besichtigen. Allerdings ist der Weg hinauf  nicht ganz unbeschwerlich. Nach etwa 4 stündiger Wanderung kann man sich im Schachenhaus bewirten lassen und dort sogar übernachten. Im Schachenschloss finden von Mai bis Oktober Führungen statt.

http://www.schachenhaus.de

Öffnungszeiten des Schachenhauses (je nach Witterung und Schneelage): Ende Mai bis Oktober

Filigran verzierte Front des Schlosses - im Obergeschoss der Maurische Saal (Foto: H.K.)

Filigran verzierte Front des Schlosses – im Obergeschoss der Maurische Saal (Foto: H.K.)

 

Elmau – Ludwigs Ausgangspunkt zum Schachen

von Magdalena Sailer

Alljährlich zu seinem Geburtstag besuchte Ludwig II. den Schachen. Ausgangspunkt für die Bergtour war der kleine Ort Elmau.

Etwa 10 km vom Geigenbauort Mittenwald entfernt liegt das Elmauer Hochtal. Ein landschaftlich einzigartiges Gebiet, in dem sich das bekannte Schloss Elmau befindet, das jedoch keines der berühmten Schlösser Ludwigs II. ist. Elmau verbindet etwas anderes mit dem Märchenkönig. Es war Ausgangsstation seiner Fahrten auf den Schachen.

Beim Alpengut Elmau gab es schon zu Zeiten König Ludwigs ein Gasthaus, in dem jederzeit ein Zimmer für den König bereitstand, falls dieser auf der Durchreise  eine kleine Rast in dem beschaulichen Bauernhof machen wollte. Des Weiteren konnten dort die Pferde der königlichen Hoheit zur Pflege abgestellt und gewechselt werden. Um nicht von seinen Aufgaben als bayerischer König abgeschnitten zu sein, wurde eigens für Ludwig eine Telegrafenstation im Gasthaus errichtet. Noch heute erinnert man sich an die Besuche des König. Im Restaurant „König Ludwig’s Einkehr“ werden Leibgerichte Ludwigs II. serviert.

König Ludwigs Auffahrt nach dem Schachen - Stich von 1873 (Sammlung HK)

König Ludwigs Auffahrt nach dem Schachen – Stich von 1873 (Sammlung HK)

Literatur: Mario Praxmarer und Peter Adam, Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.