Post Partenkirchen

Die Posthalterei in Partenkirchen – Ludwigs Stammquartier am Fuß des Schachen

von Susanne Nebl

Den Gasthof Post in Partenkirchen kannte Ludwig seit seiner Kindheit. Die königliche Familie war hier oft zu Gast. Am liebsten nahm der König im Schweizerhaus in der Sonnenbergstraße Quartier, einer Dependance des Gasthofs Post. Hier war Ludwigs Talquartier für die Bergfahrten zum Schachen. Heute ist die „Post“ ein Grandhotel. Im einstigen Königszimmer kann man übernachten.

"Zur Post" in Partenkirchen (Foto: H.K.)

„Zur Post“ in Partenkirchen (Foto: H.K.)

Gasthof mit Tradition
Im Gasthof Post in Partenkirchen war Ludwig II. Stammgast. Das schmucke Haus mit ortstypischer Lüftlmalerei liegt im Zentrum Partenkirchens in der Ludwigstraße, die 1893 nach dem König benannt wurde. Die Tradition des Hauses reicht ins 15. Jahrhundert zurück. Damals profitierte Partenkirchen vom Italienhandel der Fugger und Welser. Die Ludwigstraße lag seit der Römerzeit auf der traditionellen Handelsroute zwischen Augsburg und Venedig. Ab 1763 war das Haus eine Posthalterei, eine Pferde- und Wagenwechselstation mit angeschlossenem Wirtshaus. Der Postkurs verlief von Augsburg über Landsberg, Rott, Weilheim, Murnau und Partenkirchen nach Mittenwald und von dort über den Kesselberg nach Innsbruck.

Zu Zeiten Ludwigs II. wurde der Gasthof Post von der Familie Reiser geführt, die ihn 1828 übernommen hatte. Die „Post“ profitierte vom damals einsetzenden Fremdenverkehr und war die erste Adresse am Platz. Als am 5. Dezember 1865 ein Großbrand in Partenkirchen 76 Häuser und die Pfarrkirche vernichtete, konnte Postwirt Johann Reiser (1805-1877) dank seines Vermögens den Gasthof Post ohne Schwierigkeiten neu errichten. 1875 übergab er den Betrieb an seinen Sohn Karl Reiser.

Posthalterei seit 1763 (Foto: H.K.)

Posthalterei seit 1763 (Foto: H.K.)

Die Königsfamilie in Partenkirchen
Schon als Kind war Ludwig oft hier. Wenn Vater Max II. von Partenkirchen aus zur Hofjagd aufbrach, logierten Königin Marie und ihre Söhne in der „Post“. König Max ließ 1860 an der schwer zugänglichen Felswand des Kramer (1985 m) einen Reitweg aussprengen, der bis zum Königsstand (1453 m), einem Vorgipfel des Kramer, führte. Im Bergwald ging Max II. auf Gamsjagd und genoss die Aussicht auf das Wettersteingebirge.

Ludwigs Mutter Marie nahm am liebsten Quartier im Schweizerhaus, einer Dependance des Gasthofs Post in der Sonnenbergstraße. Die Königin kannte keine Berührungsängste mit der bäuerlichen Bevölkerung. Häufig lud sie den Forstwart von Vordergraseck Karl Kiendl ein, damit er ihr auf der Zither vorspielte. Sie befreundete sich mit der Familie des Forstmeisters Friedrich Albert Schultze, der zwischen 1840 und 1847 das königliche Forstamt in Partenkirchen leitete. Das Königspaar war öfters bei ihm zu Besuch. Mit der Tochter des Försters, Marie Schultze, verband Königin Marie eine lebenslange Freundschaft. Nach den schweren Bränden, die 1863 und 1865 in Partenkirchen wüteten, beschenkte die Königin gemeinsam mit ihren Söhnen eigenhändig die über 80 betroffenen Familien und unterstützte den Wiederaufbau des Ortes.

König Max II. und Marie mit den Söhnen Ludwig und Otto (AK gel 1900 Sammlung HK)

König Max II. und Marie mit den Söhnen Ludwig und Otto (AK gel 1900 Sammlung HK)

Ludwig II. zu Gast
Auch als König kam Ludwig II. regelmäßig in die „Post“ nach Partenkirchen. „Bevor [er] in seiner vierspännigen Kutsche das Loisachtal heraufkam, traf immer ein Vorreiter ein und meldete seine Ankunft“, berichtet Posthalter Karl Reiser. Der König hielt sich mit Vorliebe im Schweizerhaus auf. Von hier aus überwachte er seine Bauvorhaben in Linderhof. Das Königszimmer befand sich im zweiten Stock. Über der Balkontür war ein weiß-blaues Medaillon mit dem Ludwiginitial „L“ angebracht. Gegenüber dem Schweizerhaus gab es einen kleinen Laden. Hier kaufte der König höchstpersönlich Früchte und Lebkuchen, die er von seinem Balkon aus den Kindern zuwarf. „Das war noch in seiner guten Zeit, da ihn die Menschenscheu noch nicht erfasst hatte“, berichtet die damalige Ladnerin „Urschl“.

In den ersten Jahren kehrte der König „alljährig zweimal, im Herbste und im Frühling“ bei der Posthalter-Familie ein. Johann Reiser war ein bodenständiger Mann und ging auch mit Seiner Majestät nicht zimperlich um. Einmal, als der König fortritt, rief Reiser ihm zu: „So, pfiat eana Gott, grüßens eana Mutter schön, und kommens bald wieder, dös sag i eana schon, s’nächste Mol do müassens länger bleibn, net grod so a paar Tog.“ – Als in den 1870er Jahren Schloss Linderhof und das Schachenschloss bezugsfertig waren, diente Partenkirchen nur noch als Talquartier für die Bergfahrten zum Schachen.

Ludwigstraße in Partenkirchen AK ungel um 1900 (Sammlung HK)

Ludwigstraße in Partenkirchen AK ungel um 1900 (Sammlung HK)

Dankbare Werdenfelser
Besonders dankbar waren die Menschen im Werdenfelser Land ihrem König Ludwig, weil er 1872 auf ihr Bittgesuch hin verhinderte, dass das Bezirksamt Werdenfels dem von Weilheim angegliedert wurde. Da Ludwig alljährlich seinen Geburtstag auf dem Schachen verbrachte, gratulierten die Werdenfelser stets mit Bergfeuern, Böllersalven und Zapfenstreich. Ludwig genoss das Spektakel vom Aussichtspavillon beim Schachenschloss. Eine besondere Ehre erwiesen ihm die Einheimischen, als sie am 25. August 1882, zu seinem Geburts- und Namensfest, das Gipfelkreuz auf der Zugspitze erneuerten und dabei ein Hoch auf seine Majestät ausbrachten. Ludwig verfolgte die Aktion mit einem Fernglas vom Schachenschloss aus.

Schachenhäuser und Schachenschloss vor Zugspitzplatt (Foto: H.K.)

Schachenhäuser und Schachenschloss vor Zugspitzplatt (Foto: H.K.)

Für an guat’n Jodler
Die Partenkirchener freuten sich immer über den hohen Besuch. Selbst wenn der König gleich weiter zum Schachen hinauffuhr, war er „immer sehr freundlich… und hat nach allen Seiten hin gegrüßt.“ Die Kinder brachten ihm Ständchen und bekamen dafür stets kleine Geschenke. Der Franz Xaver Berwein bekam vom Kini ein Zwanzigmarkstück geschenkt, „blos für an guat’n Jodler!“.

Das verlorene Hufeisen
Wenn der König zum Schachen fuhr, blieben Lakaien und Knechte mit den Pferden im Tal. Sie „brachten fröhliches Leben in den Ort.“ Die wertvollen königlichen Pferde standen im Stall der Posthalterei und mussten ab und an bewegt werden. Posthalter Karl Reiser erzählt von einem „schneidigen“ Ausritt zum Badersee auf des Königs Lieblingsrappen Ralf: „Ich als Posthalter vorneweg, die Lakaien hinter mir her, so daß alles meinte, der König käme in höchsteigener Person. Es war ein großer Spaß.“ Doch dabei verlor Ralf ein Hufeisen. „Den Verlust bemerkte ich erst zu Hause, ein jäher Schrecken durchfuhr mich, denn ich hatte das Leibpferd des Königs geritten und gewußt, daß der König am nächsten Tag vom Schachen zurückkommen wollte.“ So begab sich alles auf Suche nach dem Hufeisen. Man fand es auf einer Wiese beim Badersee – gerade noch rechtzeitig, kurz bevor der König zurückkehrte. Reiser: „Dem König blieb das Mißgeschick nicht verborgen. Aber ich bemerkte keine Verärgerung an ihm. Im Gegenteil, er war leutselig wie immer und schenkte mir zum Andenken einen goldenen Ring mit Brillanten.“

"Zur Post" in Partenkirchen (Foto: H.K.)

„Zur Post“ in Partenkirchen (Foto: H.K.)

Das Post-Hotel heute
2009 wurde das Hotel Post von der Atlas Grand Hotel-Gruppe komplett saniert und unter neuer Leitung wiedereröffnet. In der „König-Ludwig-Suite“ kann man übernachten und dabei das königliche Mobiliar bewohnen. Nicht von früher ist das neue türkische Hammam-Bad. König Ludwig mit seinem Faible fürs Orientalische hätte es sicher gefallen, nach einer beschwerlichen Anreise zu Pferde oder per Kutsche hier zu entspannen.

Das Hotel Post

Atlas Grand Hotel

Ludwigstraße 49

82467 Garmisch-Partenkirchen

OT Partenkirchen

www.atlas-grandhotel.com

Literatur:

Josef Ostler, „Zur Post“ in Partenkirchen. Ein Gasthof seit mehr als 500 Jahren, in: Mohr-Löwe-Raute. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, Bd. 6 (1998), 75-109.
Mario Praxmarer, Peter Adam, König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.
Hermann Hausner, Ludwig II. Berichte der letzten Augenzeugen, München 1961.